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  • AUF EIS – DB SCHENKER FINNLAND SCHICKT DEN NEXT GENERATION eCANTER INS FROSTIGE LAPPLAND

Am Gefrierpunkt und weit darunter – bei eisigen Temperaturen beweist ein FUSO eCanter der neusten Generation jetzt seine Zuverlässigkeit unter erschwerten Bedingungen. In der Nähe vom Polarkreis setzt die Schenker AG den rein batteriebetriebenen 7,5-Tonner für Lieferungen auf der letzten Meile ein.

Der Schnee türmt sich links und rechts von den vereisten Straßen mannshoch auf und es ist klirrend kalt, als Raino Mourujärvi, Head of Terminal Area bei DB Schenker Nordfinnland, am DB Schenker Standort in Kuusamo ankommt. Der passionierte Logistiker freut sich sichtlich, denn er ist heute unterwegs, um sein neustes „Projekt“ zu besuchen. Dort, im äußersten Nordosten Finnlands, wo der erste Schnee gerne mal im Oktober fällt und dann bis Ende April liegen bleibt. Dort, wo diesen Winter schon Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius auf dem Thermometer abzulesen waren. Genau dort setzt DB Schenker seit Mitte Januar dieses Jahres einen FUSO Next Generation eCanter 7,49 T zur City-Belieferung ein.

Ernsthaft? „Ja, ich wollte unbedingt, dass wir das hier in Kuusamo ausprobieren und dieses Vorurteil widerlegen, man könne mit einem Elektro-Lkw bei solchen Witterungen nichts anfangen“, bekräftigt Raino Mourujärvi, der ursprünglich selbst aus der Region stammt und mit den dezent verschärften Bedingungen durchaus vertraut ist. Der 45-Jährige sitzt bei DB Schenker im knapp drei Stunden südwestlich gelegenen Oulu und ist von dort aus verantwortlich für ganz Lappland. Einmal pro Monat besucht er persönlich die Niederlassungen in Kuusamo, Kemi und Rovaniemi. In seinen Aufgabenbereich fällt die Betreuung der Immobilien, die der Fahrzeuge und die des Personals an den Standorten. Außerdem ist er ein großer Enthusiast in Sachen Elektromobilität. Sein Dienstwagen fährt ebenfalls rein elektrisch und nachhaltige Antriebsformen bestmöglich in die Flotte zu integrieren, ist ihm ein persönliches Anliegen: „Als ich mitbekommen habe, dass dem DB Schenker Fuhrpark in Finnland bald neue eCanter zu Verfügung stehen, habe ich deshalb sofort zugegriffen!“

Mit diesem Ansinnen rennt er bei seinem Arbeitgeber offene Türen ein. Die Schenker AG versteht sich als Vorreiter in Sachen nachhaltiger Logistik und investiert zur Reduktion von CO2-Emissionen umfänglich in die Elektrifizierung ihrer Flotte. In Finnland, wo laut Unternehmensangaben gerade kleineres Stückgut einen bedeutenden Teil der Transporte auf der letzten Meile ausmacht, seien batterieelektrische Fahrzeuge besonders geeignet.

Der FUSO eCanter ist sogar im finnischen Winter genau richtig für die letzte Meile

„Moi!“, winkend begrüßt ihn sein Mitarbeiter Sami Määttä, der nicht nur das Terminal leitet, sondern auch den neuen eCanter fährt. Zusammen schauen sich die beiden das batteriebetriebene Prachtstück an. Der FUSO 7C18e parkt direkt in der Halle und zieht sich aus der eigens installierten Wallbox mit einer Ladeleistung von 22 Kilowatt pro Stunde (M-Paket) bei AC-Gleichstromladung zuverlässig über Nacht seine beiden Batterien voll. „On the way – To sustainable logistics“, steht groß neben dem DB Schenker Logo auf beiden Seiten des Kofferaufbaus. „Ja, die Aufschrift ist schon richtig. Ich denke auf dem Weg zu nachhaltiger Logistik, ist der Next Generation eCanter eigentlich genau passend für unseren Zweck hier. Sauber, aber eben auch leicht, kompakt, wendig und angenehm zu fahren. Aus all diesen Gründen wollte ich ihn einsetzen“, erklärt Raino Mourujärvi.

Sami Määttä, der seit der Ankunft des eCanter vor vier Wochen inzwischen rund 1.200 Kilometer damit unterwegs war, pflichtet ihm bei: „Grundsätzlich funktioniert er wunderbar. Er startet immer, egal wie kalt es ist. Das kennen wir von unseren Dieseln auch anders.“ Einzig die Reichweite wäre für ihn noch verbesserungswürdig. „Ich komme gut klar. Aber bei diesen Temperaturen leiden die Batterien eben ein wenig und mehr ist doch immer besser, oder?“ Ist er denn schon mal mit leeren Akkus liegen geblieben? „Nein, das nicht. Gar nicht. Aber ich muss jetzt eben von vornherein meine Routen und damit auch die der anderen Fahrer anders planen und das ist eine Herausforderung.“ 

Ja, die Aufschrift ist schon richtig. Ich denke auf dem Weg zu nachhaltiger Logistik, ist der Next Generation eCanter eigentlich genau passend für unseren Zweck hier. Sauber, aber eben auch leicht, kompakt, wendig und angenehm zu fahren. Aus all diesen Gründen wollte ich ihn einsetzen.
Raino Mourujärvi, Head of Terminal Area bei DB Schenker Nordfinnland

Mit der elektrischen Vorkonditionierung sind die Batterien des eCanter immer startklar

Routen ist ein gutes Stichwort. Der 32-jährige Terminalleiter ist schon seit 6.30 Uhr an Ort und Stelle, hat den Ladevorgang des E-Lkw überprüft und die Touren des heutigen Tages für alle drei Fahrzeuge am Standort festgelegt. Von Montag bis Freitag pendelt jede Nacht ein Sattelzug zwischen Kuusamo und Oulu, bringt Waren zur Auslieferung her und nimmt die tagsüber eingesammelte Fracht auf der nächsten Runde wieder mit. Bei den Lieferungen handelt es sich um eine bunte Mischung, die jeden Tag anders aussieht. Heute sind unter anderem dabei: eine Ladung Bücher für die örtliche Bücherei, eine Palette Felgen für den lokalen Reifenhändler und diverse kleine Päckchen für den Kiosk in der Stadtmitte, welcher gleichzeitig auch als Bank-, Post- und Paketshop dient. „Wir bieten unsere Dienstleistung in Kuusamo und Umgebung für Unternehmen und Privatpersonen gleichermaßen an“, erklärt Sami Määttä, während er um kurz nach 8.30 Uhr den Stecker aus der Ladebox auf der Beifahrerseite des eCanter zieht. 

Der ist zwar schon lange vollständig aufgeladen, aber die automatische elektrische Vorkonditionierung darf der E-Lkw ruhig mitnehmen, bis es losgeht. Sie bringt die beiden großen Batterien auf die ideale Betriebstemperatur und trägt zum langfristigen Erhalt der Kapazität bei. Die Abfahrt vom in der Sonne blendend weiß glitzernden Hof ist etwas geräuschvoller als von einem leisen Elektrofahrzeug gewohnt. Denn der eCanter trägt wie zu dieser Jahreszeit allgemeine Vorschrift, Winterräder mit Spikes und knirscht deshalb ordentlich über die festgewalzte Schneeschicht mit ihrer tiefgefrorenen Eisunterlage darunter. Dem obligatorisch dynamischen Antritt des umgerechnet 180 PS starken Elektromotors kann der Lkw-Fahrer offensichtlich etwas abgewinnen und mit den spitzen kleinen Gripverstärkern auf den Pneus wohl noch mehr.

Erfolgreiche Testphase mit dem eCanter 1.1 bereitete den Weg

„Mit Sami habe ich auf dem Fahrzeug einen erfahrenen und sehr zuverlässigen Fahrer“, meint Raino Mourujärvi und ergänzt, „er kommt direkt aus Kuusamo, hat sein ganzes Leben hier verbracht und weiß, worauf es ankommt.“ Davon, den eCanter in Samis Hände zu geben, verspricht sich der Projektinitiator auch gute und verwertbare Eindrücke zur Praxistauglichkeit zu bekommen. Was das Fahrzeug als solches angeht und darüber, wie man die Abläufe organisieren muss, wenn man ein Elektrofahrzeug einbindet.

Während der Einsatz des Next Generation eCanter in Kuusamo eine Premiere darstellt, sind FUSO eCanter innerhalb der Schenker AG keine Neuheit. Der weltweit tätige Konzern war einer der Flottenkunden, die bereits ab 2017 den FUSO eCanter 1.1 in einer großen Stückzahl in ihren Fuhrpark integrierten. Diese mehrjährige Testphase brachte sowohl DB Schenker als auch FUSO wertvolle Erkenntnisse. So hatte einerseits das Logistikunternehmen die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit dem Einsatz und dem Betrieb von voll elektrischen Leicht-Lkw zu sammeln und FUSO auf der anderen Seite konnte authentisches Kundenfeedback für seine weitere Produktentwicklung erhalten. Dabei zeigte sich, dass der Next Generation eCanter zukünftig mehrere Reichweitenoptionen in Kombination mit einer größeren Variantenvielfalt bieten sollte – Wünsche, die er mit drei unterschiedlich großen Batteriepaketen zur Auswahl, vier Gewichtsklassen, sechs Radständen und zwei Kabinentypen mehr als erfüllt. 

Dennoch hinterließen schon die eCanter aus der ersten Serienproduktion einen guten Eindruck bei der Schenker AG: Nach dem Start mit fünf der Fahrzeuge in Deutschland und Frankreich erhöhte das Unternehmen die Stückzahl wenig später auf 42 und legte dann noch einmal nach, sodass schließlich insgesamt 50 der eCanter 1.1 in ganz Europa unterwegs waren. Einer davon seit 2020 auch in Finnland, allerdings nicht in Raino Mourujärvis Zuständigkeitsbereich. Mit seinem Neuzugang in Lappland laufen momentan 52 FUSO eCanter in zehn verschiedenen Ländern für DB Schenker.

Ich denke auf dem Weg zu nachhaltiger Logistik, ist der Next Generation eCanter eigentlich genau passend für unseren Zweck hier. Sauber, aber eben auch leicht, kompakt, wendig und angenehm zu fahren. Aus all diesen Gründen wollte ich ihn einsetzen.
Raino Mourujärvi, Head of Terminal Area bei DB Schenker Nordfinnland

Entspanntes One-Pedal-Driving, gute Zuladung und das einfache Stromtanken gefallen

Seine ersten Eindrücke schildert der neuste „Testfahrer“ auf der Fahrt auch gleich direkt: „Ich habe festgestellt, dass die Rekuperationsstufen wirklich gut funktionieren. Ich benutze das Bremspedal nur noch, um zum endgültigen Stillstand zu kommen.“ Dieses vorausschauende und energiesparende, sogenannte One-Pedal-Driving läuft nur über das Senken und Heben des Fahrpedals. Die Verzögerung erfolgt über die wählbaren Rekuperationsstufen in vier unterschiedlichen Stärken. Mit der Rekuperation nutzt der eCanter die Rückgewinnung der Bremsenergie, um die Reichweite zu verlängern. Für Sami Määttäs Touren, die im Umkreis von 50 bis 70 Kilometer stattfinden, ein wichtiges Plus. 

Zufrieden ist er in seiner Funktion als Terminalleiter auch mit der Nutzlast des 7,49-Tonners. Die liegt trotz der Batterien bei 3.200 kg. Mit einem Radstand von 3.400 mm kann der eCanter in dieser Konfiguration außerdem bis zu 15 Palettenstellplätze bieten. „In den passt gut was rein. Damit können wir die anderen beiden Lkw wirklich unterstützen“, erklärt Sami Määttä. Einziges Manko: Die Heizung an der Stirnwand des Kofferaufbaus läuft aktuell noch über einen zusätzlichen kleinen Biodiesel-Tank. Diese lokale Spezialanforderung ist den eisigen Temperaturen geschuldet und nötig, um sensible medizinische Produkte zu transportieren, die nicht einfrieren dürfen. Das ließ sich leider noch nicht elektrisch lösen, da es zu viel Energie aus den Fahrbatterien ziehen würde. 

„Für meinen Komfort in der Kabine ist aber gesorgt, ich habe es immer angenehm warm“, lacht Sami Määttä. Dafür und für mehr Reichweite ist das sogenannte optionale Performance Paket zuständig. Es besteht aus Sitzheizung, Lenkradheizung und beheizter Windschutzscheibe. So kann die normale Kabinenheizung je nach Witterung komplett ausgestellt bleiben oder, wie in diesem Fall nur mit sparsamen 18 Grad laufen. „Das ist sehr viel weniger, als wir in unseren Diesel-Lkw eingestellt haben müssen, damit es warm wird“, bestätigt der Finne. „Was mir außerdem sehr gut gefällt, ist, dass das Laden so einfach geht, es direkt in unserer Halle stattfindet und ich währenddessen andere Sachen machen kann. Das ist doch um einiges komfortabler als an der Tankstelle draußen in der Kälte rumzustehen.“

Darauf, wie sich der Einsatz des eCanter im Sommer entwickelt, sind alle gespannt

Da der voll elektrische Neuzugang erst so kurz im Einsatz ist, konnte das „Projektteam“ persönlich noch keine Erfahrungen bei anderen Witterungsbedingungen sammeln, ist aber schon neugierig, wie sich der eCanter im Sommer macht. „Ich bin gespannt, wie sich die Reichweite entwickelt, wenn die Temperaturen steigen. Dann sind die 140 Kilometer, die das Batteriepaket der Größe M verspricht, sicher wirklich drin und es ergeben sich noch mal neue Möglichkeiten und Eindrücke für uns“, glaubt Raino Mourujärvi. 

Kann er als großer Elektro-Fan sich vorstellen, in seinem Bereich komplett auf batterieelektrische Antriebe umzusteigen? „Ich denk, aktuell geht das noch nicht. Vor allem auf der Langstrecke fehlt noch die entsprechende Infrastruktur. Wir setzen setzt allerdings bereits einen E-Lkw als Sattelzug ein, der zwischen den Terminals in Helsinki und Tampere an der pendelt. Dort gibt es aber jeweils eigene leistungsstarke Schnellladepunkte“, erzählt der Logistiker. „Aber die Infrastruktur wächst stetig und die Batterietechnik macht große Sprünge. Ich sehe der Sache insgesamt positiv entgegen.“ Tatsächlich so positiv, dass auf der letzten Meile am Standort Oulu seit zwei Wochen schon ein weiterer baugleicher Next Generation eCanter unterwegs ist.